Die Digitalisierung ist in aller Munde und macht auch vor den Laboren nicht Halt. Aber wie ist der aktuelle Stand in den akkreditierten Laboren? Welche Hindernisse blockieren die digitale Transformation? Und welche Möglichkeiten eröffnen sich zum Beispiel durch generative KI? Gibt es das Labor 4.0 schon?
Trotz wirtschaftlicher Krisenzeiten investiert die Laborbranche gezielt in ihre Zukunft: Während IT-Budgets stabil bleiben und Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) deutlich steigen, offenbart der Blick in die Praxis ein heterogenes Bild. Die Digitalisierung ist längst kein reiner Selbstzweck mehr, sondern die Antwort auf steigenden Effizienzdruck und komplexe Compliance-Anforderungen.
Der Status Quo: Ein zweigeteiltes Bild
Die digitale Reife variiert stark zwischen den Fachdisziplinen und Prozessebenen:
- Prozessautomatisierung (LIMS): Medizinische Labore führen hier aufgrund hoher Probenzahlen, während technische Prüf- und Kalibrierlabore oft noch Nachholbedarf bei der automatisierten Geräteanbindung haben.
- Managementsysteme (QMS): Paradoxerweise hinken gerade medizinische Labore auf Ebene des Qualitätsmanagements oft hinterher und verharren in papierbasierten Strukturen. Im Gegensatz dazu setzen technische Labore vermehrt auf digitale Lösungen wie CAQ-Systeme oder SharePoint.
Hürden und Risiken der Transformation
Die größten Hindernisse sind nicht technologischer, sondern kultureller und struktureller Natur. Hoher Widerstand der Belegschaft gegen Change-Prozesse und eine mangelnde Forderung seitens der Akkreditierungsstellen führen oft dazu, dass am „Stand der Technik“ vorbeigearbeitet wird. Ein kritisches Risiko stellen dabei „Insel-Lösungen“ (wie veraltete Access-Datenbanken) dar, deren Ausfall die gesamte Betriebsfähigkeit gefährdet.
Reifegrade und neue Lösungen
Der Weg zum Labor 4.0 verläuft in Stufen: vom einfachen Ersatz von Papier durch Office-Dokumente bis hin zur „Königsdisziplin“, den Software-as-a-Service (SaaS) Lösungen. Diese modernen Plattformen ermöglichen es, Akkreditierungsanforderungen (z. B. ISO 17025) „out-of-the-box“ abzubilden, ohne langwierige Eigenentwicklungen.
Fazit und Ausblick
Obwohl 69 % der internationalen Labore bereits mehr als die Hälfte ihrer Routineprozesse digitalisiert haben, bleibt der Einsatz von High-End-Technologien wie Blockchain oder Big Data Analytics noch die Ausnahme. Etabliert haben sich hingegen Remote-Verfahren für Kommunikation und Audits. Der Fokus für Labore muss künftig darauf liegen, „Nadelöhr-Prozesse“ zu identifizieren und durch gezielte Vernetzung nicht nur die Datensicherheit zu erhöhen, sondern echte wirtschaftliche Mehrwerte zu generieren.
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Deutsche Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) (06/2024)
